Samstag, 24. November 2012

13. Josef Dorsten - "Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Willst du dich deines Wertes freuen,
So mußt der Welt du Wert verleihen.
J. W. Goethe

Dank an die Mutter


Josef Dorsten aus Rheine, Jahrgang 1932, wurde sozusagen in das Tausendjährige Reich hinein geboren, welches allerdings nur zwölf Jahre dauerte und Europa und die ganze Welt nahezu in Schutt und Asche legte. Sieht man mal davon ab, dass sein Vater im Kriegsjahr 1943 gefallen ist, hatte er eine glückliche Kindheit und Dank der liebevollen Fürsorge der Mutter, schöpfte er genug Kraft, um im späteren Leben voll seinen Mann zu stehen. Das A und O im Leben eines Menschen ist das Urvertrauen, und das hatte sich bei Josef Dorsten dank seiner Mutter gut herausbilden können. Wäre dies nicht so gewesen, wer weiß schon, was aus ihm geworden wäre.


Folgende Lebensumstände können eine ausreichende Entwicklung des Urvertrauens gefährden oder verhindern:
  • Die Trennung von der Mutter (Dauerpflegeperson) oder die völlige Vernachlässigung durch sie ohne eine Ersatzbindungsperson. Diese Situation ist ein typisches Risiko bei Lager-, Heim- oder Krankenhausaufenthalten von Säuglingen, aber auch bei völliger materieller oder soziopsychischer Verelendung und kann eine totale Deprivation bewirken. Überlebt das Kind es, so muss mit einem dauerhaften Argwohn, mit Depressionen, Angstzuständen, Aggressivität und Verzögerungen der geistigen oder motorischen Entwicklung u. a. m. gerechnet werden.
  • Wenn der Säugling im Familienhaushalt oder bei Alleinerziehenden unerwünscht ist und emotional mit gemischten (ambivalenten) Gefühlen (Zärtlichkeit, Hass, Missachtung) wahrgenommen wird, kann die Entwicklung des auf konstante Verlässlichkeiten angewiesenen Urvertrauens stark geschädigt werden; der Schädigung wirkt entgegen, wenn seltenere, dann aber doch verlässliche Zuwendungen von Geschwistern, entfernteren Verwandten oder Pflegepersonal erfolgen. Quelle: Wikilpedia
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, als überall in Deutschland große Not herrschte, hatten böse Nachbarn der Familie Dorsten, nichts anderes zu tun, als der Mutter einen liderlichen Lebenswandel vorzuwerfen, und dies dem Jugendamt zu melden. In der Folge wurde daraufhin Josef am 12.03.1947 in die Erziehungsanstalt Johannesburg Börgermoor verbracht, wo er sich einen Schlafsaal mit 35 weiteren Jungen teilen mußte.
Datei:Jugendhilfe Johannesburg01.jpg
Quelle: Wikipedia Erziehungsheim Johannesburg

Das Leben auf der Johannesburg


Der Alltag auf der Johannesburg war mehr als hart. Es war einfach unmenschlich, wie man dort die Zöglinge behandelte, und das erklärt sich nicht allein aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Auch ist bedauerlich, dass die Bundesrepublik Deutschland, die im Parlament den Fonds Heimerziehung auf den Weg brachte, sich nicht für die Opfer der Heimerziehung zwischen 1945 und 1949 zuständig fühlt. Gerade in jenen Nachkriegsjahren waren die Zustände noch schlimmer, als in der darauf folgenden Zeit. Eine von mir auf den Weg gebrachte Petition habe ich wieder zurückgezogen, weil ich nicht genügend Unterstützer fand. https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-die-gleichstellung-von-opfern-der-heimerziehung-von-1945-bis-1949 

Im folgenden Beleg, erstellt am 14.07.1949, sind die Mißstände auf der Johannesburg festgehalten.


Wegen der schlechten Bildqualität sei zusammenfassend gesagt: (Zitatanfang)

1. Trotz des am Besichtigungstages herrschenden kühlen Wetters trug kein Zögling bei den Aussenarbeiten Strümpfe und Schuhe, nur wenige gingen in schweren Holzschuhen.

2. Hemden und Hosen waren grösstenteils zerrissen und genügten nicht den Anforderungen, die an eine ordnungsmässige Arbeitskleidung gestellt werden müssen.

3. Nur ein geringer Teil der 175 Jungen wurde bei Arbeiten in den Lehrwerkstätten angetroffen.

4. Für die Arbeiten im Torf wird den Zöglingen nur ein Entgeld von DM 0,05 pro Stunde durch die Anstaltsleitung gutgeschrieben.


5. Die Werkstätten befanden sich technisch wie räumlich in einem Zustand, der in keiner Weise zur Durchführung einer erfolgreichen Lehre ausreicht.


6. Als Aufenthaltsraum dient einer Abteilung ein ungestrichener, dunkler - nur mit Glühbirne ausgestatteter - Raum, der sich zur Zeit der Mittagspause in einem unsauberen Zustand befand. Die benutzten Blechteller lagen ohne Ordnung in einer Ecke, die Jungen sassen in ihrem zerrissenen Arbeitszeug mit schmutzigen Füssen um die Tische. Ein Teil rauchte Pfeife und spielte Karten.


Wir halten diese lieblosen Verhältnisse, die sich äusserst deprimierend auch auf sämtliche Fahrtteilnehmer auswirkten - und die nach Berichten von Zöglingen und der Bestätigung des Bezirksjugendpflegers in den anderen Anstalten des Landes noch weit schlechter sein sollen - für das Gegenteil von Fürsorge und nicht dazu geeignet, die Jungen wieder für die menschliche Gemeinschaft zurückzugewinnen.
Es wäre zu prüfen, wie weit eine Vernachlässigung der Dienstaufsichtspflicht vorliegt.

Die hier gemachten Angaben können durch weitere Tagungsteilnehmer bestätigt werden.
(Zitatende)
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Zum Zeitpunkt der Inspektion in dem Erziehungsheim war Josef Dorsten bereits aus der Johannesburg entlassen worden, und ob es zu weitreichenden Änderungen bzgl. der Situation der Zöglinge kam, ist mir nicht bekannt. Sein Entlassungsdatum war der 15.03.1949. Er stand danach immer noch unter der Fürsorge des Jugendamtes und bekam eine Arbeitsstelle bei einem Bauern. Dort wurde er entlohnt, und kaufte sich von seinem ersten Geld einen maßgeschneiderten Anzug.

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Markus 9, 36 - 37


(36) Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen:

(37) Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt. der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
(Übersetzung nach Luther 1984)
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Den Zöglingen die Dankbarkeit mit dem Zuchtstock einbläuen


Auf dem Bild oben (1958) sieht man die Zöglinge beim täglich stattfindenden Morgenappell, die dann anschließend von den Meistern zur Arbeit abgeholt werden. 



 Auf diesem Bild Gruppen- und Arbeitserzieher Bruder Hiltrup mit seinen Zöglingen im Moor.
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Einige der Bilder wurden aus rechtlichen Gründen entferntEs s gibt schon einiges über Josef Dorsten und die Johannesburg im Internet. Ich verweise auf folgenden Link: http://erziehungsheim-johannesburg-borgermoor-heimkind-josef.over-blog.de/ )

Da ich jedoch persönlich mit Herrn Dorsten am Telefon gesprochen habe, und er sehr aufgeschlossen ist, würde ich gerne zusätzlich ein weiteres eigenes Portrait über ihn erstellen. Dieser meiner Bitte, hat er uneingeschränkt und vertrauensvoll zugesagt. Wann ich diese Arbeit fertigstellen kann, ist momentan völlig offen.

12.02.13 -  M. Zielke

Kommentare:

Manfred Zielke hat gesagt…

Sorry.

Kommentare, welche eindeutig einen kommerziellen Hintergrund haben, werden von mir nicht veröffentlicht. Im übrigen bitte ich meine Leser, nach Möglichkeit einen deutschsprachigen Kommentar zu hinterlassen, da dieses Blog vorrangig für den deutschsprachigen Sprachraum geschrieben wird. Ferner muss ich eingestehen, dass ich die englischen Sprache weder lesen noch schreiben kann.

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.